The Pose

Die Pose

Er sah den Dicken, seitlich von den Weibern sitzen und beobachten.
Mit aufgestützten Ellenbogen und dem Daumen in die modrigen Zähne der fauligen Hölle gepresst, hing sein Blick an den Weibern wie eine Axt im Baumstamm.

Die kümmerte das gar nicht; ab und zu sprachen sie leiser; so wie man das bei intimen Bemerkungen macht.
Einen Augenblick lang schimmerte die schwarze Mundhöhle des Dicken. M. besah ihn mit der gleichen Routine, die der Alte an den Tag legte; spaltete Ihn mit der gleichen Axt. Seine Augen zogen Bahnen um den qualligen Leib.
Die Wurstfinger des Alten vergewaltigten ein selbstgedrehtes Zigarettchen, das er ohne Pause am Ascher hielt und daran zuweilen zog. Die Wampe hing etwas nach oben hin weggespannt, aus einer Art Nierengurt, der durch seine Hoehe einem Stuetzkorsett aehngelte.
>>Was ? Wie - was ? Etwas, wie Etwas ? Was dir einfiel? Wann ? Jetzt gerade! <<  fragte er sich. >>Dein Denken und deine Urteile - deine Denkkategorien... sind der letzte Dreck<< dachte er.
Wind blies etwas Laub auf und Haar in seine Stirn. >>Der letze Dreck! << murmelte er, >>Du bist der letzte Dreck!<< Seine Gedanken kippten um wie ein schlecht gewordener Wein - nur merklich kurz.
>>Sachte! Sachte Junge, ganz ruhig<< Er kreuzte den Finger mit den Lippen. >>Shhhh<<
Was für ein mildes Gefühl, als würde man unendlich lange Ausatmen. Schon federte er in den ledernen Gurten auftherapierter Konditionierung.
Die Weiber schwiegen jetzt und starrten auf ihre Finger, die an Bierdeckeln zupften; der Dicke drehte ein Zigarettchen vermittels der blechernen Drehanlange, die er zwischen seine Bratzen geklemmt hatte. Die Zunge fuhr leutselig durch das Papier.
Der Wind blies zart und es war ihm als wär es die Tätigkeit seiner Lungen - ein unendlich langes Ausatmen. Die Trübe des Tages machte die Bänke leuchten. Grüppchen trennten sich. Es schoben die eisernen Klappstühle raschelnd durch den Kies an die Tische zurück. Von Ferne klangen dumpfgestoßene Maßkrüge.
Das dickere der beiden Weiber sagte: >>Und wenn ich um 4 heimkomm, dann ess ich was und dann ist es schon 6.<<
Und das Geschnatter fing an und dran an seine Ohren wie das Rauschen einer Brandung. Er grinste und rollte die Augen, tätschelte seinen Kopf, kippte und wandte ihn etwas nach hinten, als stünde jemand hinter ihm. Er wollte ganz brav sein und riss die Augen auf und lachte schüchtern. Und da sah er sie - er sah sie so klar, die Leine, die von seinem Hals weg einen schlaffen Bogen machte, an der er sich hielt.
Sein Gesicht war ein Gummi das zurück strebte aus einem unmoeglichen Zustand. Er zischte mit der Nase, weil seine Oberlippe juckte, kniff die Augen zusammen, sie brannten, waren müde, seine Ohren, seine Arme und Beine. Die Wirtin kam von hinten durch einen Gang auf Ihn zu und sagte: >>Nein, tut mir Leid<<
Er nickte freundlich und ging.


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